Ronald Bieber — Ein Grüner für das Nordend

09.10.2011

Zur Zukunft des Holzhausenparks

Seit Monaten ist der Großteil der Liegewiese im Holzhausenpark gesperrt, damit der Rasen neu begrünt werden konnte. Wie wird es mit dieser Wiese weitergehen?

Der Holzhausenpark erfreut sich großer Beliebtheit bei vielen Nutzern. Das Holzhausenschlösschen bietet kulturelle Erquickung, der Spielplatz ist ein Treffpunkt für kleine und große Kinder und wer eine Pause braucht, der findet seit 2004 im Café eine große Auswahl an Getränken und auch einige Snacks.

Geprägt wird der untere Teil von der großen Wiese, die erst 2009 komplett neu angelegt wurde - mit dem Rollrasen, der auch für die Fußball-WM 2006 in Deutschland verwendet wurde.

Wie sich leider schnell zeigte, ist der Rasen der Belastung aber nicht gewachsen - was im Stadion mit ein bisschen Training am Tag und Vollzeit-Platzwarten funktioniert, muss nicht auch funktionieren, wenn wochenlang hunderte Nutzer den Rasen für ihre Zwecke in Anspruch nehmen.

Schnell kamen dabei fußballspielende Kinder und Jugendliche in den Verdacht, durch Stollenschuhe den Rasen überproportional zu maltraitieren. Das Grünflächenamt wollte daher eigentlich Fußball spielen direkt verbieten, aber sollte man ein paar kickenden Kindern wirklich die Bolzwiese verbieten? Unter Einbeziehung des Ortsbeirates kam (so weit ich weiß) 2010 ein Kompromiss zustande, demzufolge das Fußballspielen für Kinder in kleinen Gruppen ohne Stollenschuhe zulässig bleiben soll.

Es kam das Jahr 2011 mit einem sonnigen und warmen Frühling - und der Rasen hatte mittlerweile dermaßen gelitten, dass er derzeit (ich glaube, seit Juli 2011) wieder in Stand gesetzt werden, weswegen der Großteil der Wiese mit hässlichen Gittern abgesperrt ist. Offenbar ist auch die Nutzung "nur" mit Kindern immer noch zu viel für diese Wiese.

Was wir hier erleben ist ein klassischer Konflikt, der aus unterschiedlichen Nutzungsinteressen entsteht. Junge Menschen wollen mangels eigenem Garten eine Wiese zum Sonnen und Picknicken. Kinder wollen gerne dort Federball, Frisbee und Fußball spielen - und ihre Eltern wollen gerne die sportliche Betätigung fördern. Und frischgebackene Eltern wollen gerne ihre Babies und Kleinkinder auf der Wiese herumkrabbeln lassen.

Durch den 2010er Kompromiss sollte es weiter möglich sein, dass ein paar Kinder ein bisschen herumkicken können. Was aber nicht der Geist des Kompromisses war, waren mehrere organisierte Gruppen, die an verschiedenen Tagen der Woche im Park für Gruppen mit 10-20 Kindern zwischen fünf und zehn dort ein Fußballtraining auf hohem Niveau organisieren - in einigen Fällen wohl auch mit bezahlten Fußballtrainern. Das mag sich gerade noch den Buchstaben des Kompromisses entsprechen - aber sicher nicht dem Geiste.

Daher habe ich einen Antrag formuliert und mit meinen Kollegen aus der Grünen-Fraktion noch verbessert, demzufolge das Grünflächenamt seitens des Ortsbeirates aufgefordert wird, das Fußballspielen auf der Wiese durch das Ablegen von Baumstämmen unattraktiv zu machen. Dieser Antrag wurde bei der Ortbeiratssitzung am 15. September angenommen - mit den Stimmen von Grünen, SPD, Linkspartei und ÖkoLinX und gegen die Stimmen von CDU (die das Fußballspielen weiter ermöglichen will) und FDP (die sich eine besser zum Park passende Lösung wünschte).

Wenn dies umgesetzt wird, dann wird es sicherlich weiterhin Kinder geben, die zwischen den Baumstämmen mit Bällen herumkicken - und das ist auch gut so. Aber die Zerteilung der Fläche macht hoffentlich den Holzhausenpark unattraktiv für Fußballtrainings mit Teams, mehreren Bällen und Hütchen. Denn - und das ist auch meine persönliche Meinung - wenn mein Kind ein möglichst gutes Fußballtraining bekommen soll, dann sollte einer der zahlreichen Frankfurter Sportvereine die erste Wahl sein und nicht die Ausnutzung öffentlicher Parks nach eigenem Gusto.

Das Wichtigste ist meines Erachtens nicht, dass alle denkbaren Nutzungen des Parks auf jeden Fall möglich bleiben, sondern dass die Wiese nicht alle zwei Jahre über Monate zur Wiederinstandsetzung gesperrt werden muss - denn davon hat keiner etwas.

Ihr Ronald Bieber

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