Isernhagen Law

Köpfen oder nicht köpfen

Akteure:
Richter - Sohn des Richters
Staatsanwalt - Oliver Kalkofe
Verteidiger - Oliver Welke


Verteidiger: Einspruch. Der Herr Staatsanwalt kann überhaupt nicht wissen, ob es in der fraglichen Winternacht wirklich dunkel war.Vielleicht war ja Mondfinsternis.
Staatsanwalt: Ha ha ha. Lächerlich. Der Herr Verteidiger faselt dummes Zeug. Warum hätte der Angeklagte denn wohl sonst eine grüne Wollmütze getragen, wenn nicht, um sich zu wärmen, hä ?
Verteidiger: Herr Kollege, wir wollen doch nicht ins persönliche abgleiten. Es ist außerdem noch nicht einmal geklärt, ob der Angeklagte überhaupt mein Mandant ist.
Geschworener: Ha ha ha.
Staatsanwalt: Einspruch. Firlefanz. Euer Ehren, ich ersuche Sie dringend, den Kollegen Verteidiger zu verwarnen. Er verletzt die Würde des Gerichts.
Richter jr.: [mit einer Stimme irgentwo zwischen rauh und piepsig, aber auf jeden Fall sehr jung klingend] Stattgegeben. Gerichtsdiener ? Lassen Sie ihn köpfen.
Geschworene: Uuuuhhhh. [Beifall klatschend]
Verteidiger: äh, äh, aber Euer Ehren junior, ich glaube nicht, daß das im Sinne Ihres Vaters wäre, ähhh...
Richter jr.: Ich
Staatsanwalt: Ich glaube schon. Sie machen die Vertretung für Ihren Vater wirklich sehr professionell, für einen -äh- zehnjährigen. Ha ha ha ha ha
Richter jr.: Danke schön, Herr Staatsanwalt. Gerichtsdiener ? Bringen Sie dem Mann einen Lutscher !
Staatsanwalt: äh, danke schön.
Verteidiger: Ich will aber auch einen.
Staatsanwalt: Ach, wozu das denn ? Sie werden doch sowieso gleich geköpft. Geben Sie mir lieber seinen auch noch, Euer Ehren, ja ?
Richter jr.: Nein, kriegen Sie nicht. Mein Pappa sagt, Sie sind ein gieriges fettes Schwein.
Geschworener: Ha ha ha ha
Staatsanwalt: Also, soll das etwa eine Anspielung sein ?
Verteidiger: Kindermund tut Wahrheit kund ! Sie haben vollkommen Recht, Euer Ehren junior. So jung und schon so weise.
Richter jr.: Und von Ihnen sagt Pappa, Sie seien ein ekliger opportunistischer Schleimer, der allen nach dem Mund redet.
Verteidiger: Sie haben ja sooo recht.
Staatsanwalt: ähm, bevor wir hier leichtfertig das Thema wechseln - vergessen Sie bitte das Köpfen nicht !
Richter jr.: Ach ja, äh, stimmt. Hauen wir dem Doofen die Rübe ab.
Verteidiger: Ohhhh, was habe ich denn da schönes unter meiner Robe ? Ein niegel-nagel-neues teures Computerspiel ?
Richter jr.: Wo denn ? Wo denn ? Wo ? Wo ? Wo ?
Verteidiger: Hhhm, das ist ja 'Robocop zerschnetzelt die Kelly-Family'. Na, für wen das wohl sein mag ?
Richter jr.: Ich will ! Ich will ! Ich will es ! Ich will ! Ich will !
Verteidiger: So so,
Richter jr.: Ja ja ja ja
Verteidiger: Aber ich weiß noch nicht, ob ich einem Jungen etwas schenken soll, der mich doch gleich köpfen läßt. Hhhhm ?
Richter jr.: Aber das war doch nur Spaß.
Verteidiger: Ahhhhch.
Staatsanwalt: Also das sage ich Ihrem Vater. Was man sagt, muß man auch halten. Wir hatten uns alle so auf das Köpfen gefreut.
Richter jr.: Na gut, alte Petze. Dann hau'n wir eben Ihnen den Schädel ab !
Staatsanwalt: Mir ?
Geschworene: Ha ha ha ha ha
Verteidiger: Das war schon lange überfällig, mein Junge.
Richter jr.: Ich bin nicht Ihr Junge, ich bin das Gesetz ! Und Sie sind ein schleimiger Scheißtyp.
Verteidiger: Ja ha, wer würde da widersprechen ?
Staatsanwalt: Ich mit Sicherheit nicht !
Richter jr.: Ich lasse Sie jetzt beide köpfen !
Geschworene: Uuuuhhh. [Beifall]
Richter jr.: Basta.
Verteidiger: Welch salomonisches Urteil, Euer Ehren. Ganz der Vater.
Richter jr.: Jaaa.
Staatsanwalt: Könnten wir dann aber vielleicht auch langsam mit der Köpferei anfangen ? Ich hab' nachher noch einen wichtigen Termin.
Richter jr.: Gut. Dann kommen Sie zuerst dran.
Staatsanwalt: Danke schön.
Richter jr.: Ha ha ha
Verteidiger: Ach, immer muß er sich vordrängeln.
[Musik aus dem Vorspann und aus.]


(abgetippt von rj,-)